48 Stunden in Florenz
Rendezvous mit Michelangelo
In Florenz liegen Genuss und Lust nahe zusammen
Mit einer Eistüte in der Hand auf den Spuren der Medici-Fürsten: Nirgendwo liegen Kunstgenuss und Lebenslust so nah beisammen wie bei einem Bummel durch Florenz. Egal wie lang oder kurz sich der gestaltet.
Dom von Florenz
Erst mal ein Kuttelbrötchen
Der Mercato Centrale, Florenz' Markthalle, ist ein guter Start in den Tag. Unten gibt es Fisch und Fleisch, nach oben fährt man per Rolltreppe zu Obst und Gemüse. Hier kaufen die Florentiner Küchenchefs auch komplette Schinken: Streckenweise fühlt man sich wie in der Feinkostabteilung eines Nobelkaufhauses. Kult sind die Kuttelbrötchen beim Imbissstand Da Nerbone.
Und jetzt auf die Kuppel!
Wie ein riesiger Ballon thront die Domkuppel über den Dächern. Steigen Sie hoch in die Laterne! Dabei kommen Sie auch dem konstruktiven Geheimnis am nächsten: den zwei Schalen. Im Hohlraum liegen Schlafräume, ja sogar eine Kantine für die Arbeiter von damals. Und dann nehmen Sie sich einfach Zeit, den Blick auf den Campanile und die Dächer von Florenz zu genießen.
Mittagessen bei Mario
Noch mal ins Marktviertel: Hinter den Ständen des täglichen Ramschmarkts verstecken sich preiswerte Schuh- und Modegeschäfte und eine Reihe uriger Esslokale. Das urigste von ihnen ist die Trattoria da Mario (Via Rosina 2r): Hierher kommen die Arbeiter vom Markt, quetschen sich an winzige Tische. Bevor man richtig sitzt, hat man schon den Teller Pasta vor sich stehen. Nur mittags geöffnet.
Brückenschlag
Über die Shoppingmeile Via Roma/Via Calimala gelangen Sie zur Ponte Vecchio: Die weltberühmte Ladenbrücke ist berühmt für ihre putzig an der Brücke hängenden Goldschmiedeläden. Die bekanntesten unter ihnen sind Vincenti und Piccini. Von dort geht es auf in den Giardino di Boboli, einen der schönsten Stadtparks Europas. Die schattigen Alleen des Parks, die erfrischenden Brunnen, die grünen Wiesen laden geradezu zum Picknick ein. Die schönsten Ecken finden sich Richtung Süden, zur Porta Romana hin. Ganz oben im Boboligarten lockt das freskengeschmückte "Kaffeehaus" mit seiner schönen Terrasse. Wer hier seinen Cappuccino trinkt, dem liegt Florenz zu Füßen.
Im Hofbräuhaus des Chianti
Gleich rechts hinterm Ponte Vecchio residiert der Cantinone del Gallo Nero (Via Santo Spirito 6r), ein historisches Kellergewölbe mit langen Tischen. Hier sitzen Urlauber und Einheimische bunt gemischt bei deftigen Florentiner Spezialitäten und natürlich reichlich Chiantiwein.
Open-Air am Arno
Wer jetzt immer noch nicht genug hat, der lässt sich mit dem Taxi das kurze Stück zu den beiden benachbarten Open-Air-Lokalen Lido und Teatro dell'Acqua fahren. Bei Discosound und Salsa, Jazz und Reggae sitzt man in der frischen Brise und lässt den Tag ausklingen.
Michelangelos David
Frühstück mit David
Der Tag beginnt mitten im Herzen der Stadt. Von der Piazza della Signoria aus regierten die Medici. Michelangelos gut vier Meter hohe Statue des "David" vor dem Palazzo Vecchio ist heute eine Kopie (das Original steht in der Accademia). Aber der Meister meißelte ihn 1504 zum Ärger der Anwohner genau dort, mit Vorliebe nachts. Verehrerinnen mit Stil betrachten den Marmor-Mann bei Caffè und Cornetto vom gegenüber liegenden Café Rivoire aus.
Große Kunst
Natürlich haben Sie sich angemeldet (Reservierung: 055/294883), sonst stehen Sie sich vor den Uffizien die Beine in den Bauch. Italiens wichtigste Gemäldesammlung heißt so, weil der Bau ursprünglich als Büro geplant war. In den 45 Sälen können Sie sich durch die gesamte Renaissance kämpfen. Absoluter Höhepunkt: der Botticelli-Saal 10 mit dem "Frühling" und der "Geburt der Venus". Nicht verpassen: das Dachcafé - wegen seines fabelhaften Blicks.
Häppchen mit Stil
In der Cantinetta di Verrazzano können Sie "richtig" am Tisch zu Mittag essen oder auch nur an der Bar eine frische Focaccia mit Tomaten, Basilikum und Mozzarella bestellen. Dazu natürlich ein Glas Chianti, schließlich gehört das stilsicher eingerichtete Etablissement einem der Top-Weingüter des Landes (Via dei Tavolini 18-20r, Querstraße zur Via Calzaiuoli).
Gucci und Prada
Am besten bummelt man über die Via Tornabuoni, "die" Modestraße von Florenz, nachmittags. Milieustudien lassen sich im altehrwürdigen Caffè Giacosa betreiben, danach schmeckt schräg gegenüber ein Trüffelbrötchen im Feinkostgeschäft Procacci (64r), einer echten Institution in Florenz.
Orangeneis bei Vivoli
Vor dem kurzen Blick in die schlichte Franziskanerkirche Santa Croce mit Giottos hinreißendem Freskenzyklus zieht es Süßmäuler unwiderstehlich zu Vivoli, wahrscheinlich der bekanntesten Eisdiele der Welt. Besonders sein Orangeneis gilt unter Gelato-Gourmets als unerreicht. Der seltsam halbrund geformte Straßenzug verläuft entlang den Fundamenten des altrömischen Amphitheaters.
Abendrot mit Michelangelo
Kann man einen Besuch in Florenz anders beschließen? Ein Ausflug auf den Piazzale Michelangelo (z.B. mit dem Bus Nr. 13) gehört einfach dazu. Er eröffnet einen der schönsten Blicke auf Florenz. Nirgendwo wird die Dominanz der Domkuppel deutlicher, nirgendwo leuchtet der Arno goldener im Sonnenuntergang. Und spätestens hier weiß man, dass es nicht das letzte Mal war.
Hans-Werner Rodrian