48 Stunden in München
Ein Dorf, aber was für eines!
Die Nähe zu den Seen und Bergen, das Oktoberfest und der Mix aus Großstadt-Schicki-Micki und bodenständiger Tradition sind nur einige Gründe, warum München in den meisten Beliebtheitsumfragen nach wie vor den ersten Platz unter Deutschlands Städten belegt. Weitere Vorzüge: originelle und gehobene Einkaufsparadiese wie Viktualienmarkt, Schrannenhalle und Fünf Höfe sowie eine gemütliche Atmosphäre, wie sie in vielen Cafés und Biergärten und erst recht im Englischen Garten vorherrscht. Nun, alles kann man in zwei Tagen kaum schaffen, aber einiges. Und vor allem das Münchner Lebensgefühl zwischen Geschäftig- und Gemütlichkeit inhalieren.
Weltstadt mit Herz
Auftakt im/mit Glockenspiel
Wer die Weltstadt mit Herz kennenlernen will, sollte in seinem Herz anfangen: dem Marienplatz. Besser noch: im Café Glockenspiel, fünf Stockwerke über dem Marienplatz. Von dort lassen sich die Marienstatue, der Fischbrunnen und die um Punkt 11 und 12 Uhr wie gebannt auf das Rathaus-Glockenspiel hinaufguckende Menschenmenge beobachten. Frisch gestärkt - mit Brezen und Weißwürsten - geht es zum rund fünf Gehminuten entfernten Jakobsplatz. Dort steht seit dem 9. November 2006 die allein architektonisch interessante Hauptsynagoge Ohel Jakob. Da diese für Otto-Normal-Touristen geschlossen bleibt, kann man sich über die neue jüdische Zentrale Münchens im benachbarten Museum informieren. Übergroße Sprüche, die das Erdgeschoss des zweigeschossigen modernen Kubus zieren, machen bereits beim Vorbeigehen neugierig.
Im Eiltempo durch die Innenstadt
Keine drei Minute entfernt wartet die lang gezogene, nach altem Vorbild wiederaufgebaute Schrannenhalle, eine Art "Dauertollwood" für das gehobene Münchner Klientel. Seit knapp zwei Jahren können Besucher an den verschiedenen Handwerker- und Gastroständen vorbeischlendern und/oder sich etwas zu essen holen. Das geht freilich auch am Viktualienmarkt, der sich direkt im Nordosten anschließt. Auch wenn er die teuerste Adresse ist, macht das Einkaufen nirgends so viel Spaß wie hier. Feilgeboten werden bester Käse, die besten Gewürze, das allerbeste Meeresgetier. Aber noch besser ist die Authentizität, denn dort trifft man sie vielleicht am besten an, die Münchner Seele: in Gestalt der alten Kräuterweiber, der grantelnden, sprich vor sich hinschimpfenden Dackelspaziergeher, der alteingesessenen Verkäufer mit bayrischem Dialekt, die hippen Yuppies im schattigen Biergarten und die "jungen Wilden" beim Skateboardfahren in den schattigen Nebengassen.
Auf zum Brenner
Durch schattige Nebengassen geht es auch zum Brenner, unserem Vorschlag für die Mittagspause. Der Weg dorthin ist nicht weit und führt vorbei am Alten Peter (Kirche), dem Dallmayr (eines von den zwei Münchner Feinkostläden) und dem Alten Hof zur protzigen Maximilanstraße (Oper, Hotel Vier Jahreszeiten, Gucciläden). Mittendrin: das im Eiltempo zum angesagten In-Restaurant avancierte Brenner, das sich Grill- und Pastaspezialitäten verschrieben hat. Und wirklich: Die Steaks sind eine Offenbarung.
Olympiapark München
Dem Olympiastadion aufs Dach steigen
Jetzt kommt der Spaß. Am Odeonsplatz ab in die U3 und zur Endstation Olympiazentrum. Selbst 35 Jahre nach den Olympischen Spielen ist die zeitlos-moderne Architektur der geschwungenen Glasdächer beeindruckend. Neuerdings auch für Kletterer, die dem Olympiastadion im wahrsten Sinne aufs Dach steigen können. Angegurtet an Seilen geht es dabei über die Glasplatten, bis zu 50 Meter über dem Boden, auf den man sich nach rund eineinhalb Stunden auch abseilt. Von oben sieht man nicht nur die Berge, sondern auch das jüngst im Olympiapark eröffnete Sea Life, eine Art modernes Museum mit großem Lerncharakter. Zu viel Exotik und Farbe in den Aquarien darf man jedoch nicht erwarten. Schließlich geht es vornehmlich um europäische Gewässer und ihre vergleichsweise unspektakulären Wassertiere. In jedem Fall spektakulär ist das riesige Tiefseebecken, durch das ein zehn Meter langer Glastunnel führt. So können die Besucher – unterstützt durch den Lupeneffekt – die über den Köpfen dahingleitenden Schwarzspitzen-Riffhaie, Rochen und Co. besonders gut beobachten.
Feierabend!
Zuerst heißt es, Essen fassen im Nektar, Münchens außergewöhnlichstem Gastrokonzept. Wie bei den alten Römern wird hier das (hochkarätige) Essen im Liegen serviert, und zwar auf weißen Lederliegelandschaften. Doch damit nicht genug: Donnerstags und sonntags gibt es Live-Musik, gerne auch Lesungen, Varietévorstellungen und immer Lichtshows und eine tolle Bar. Wem das nicht reicht, findet auf dem Gelände der Kultfabrik und der benachbarten Optimolwerke mehr als zwei Dutzend Bars und Discotheken. Unser Tipp: Die „Drei Türme“ – hier ist eigentlich immer etwas los, vor allem auf der Tanzfläche.
Der schillernde Schwimmreifen
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Freien – zum Beispiel im durch Livemusik beschallten Café Beethoven in der Nähe des Hauptbahnhofs – sollte man unbedingt der einem riesigen Schwimmreifen ähnelnden Allianz Arena einen Besuch abstatten. Die neue Spielstätte des FC Bayern und des TSV 1860 gehört ob seiner spektakulären Konstruktion und der 2800 transparenten Luftkissen, von denen jedes eine andere Form hat, zu den Architekturhighlights Bayerns. Die täglich stattfindenden Stadionführungen bieten einen informativen Einblick in das Innenleben der Arena.
Entspannung allerorts
Vom Rasen, den sonst nur Ribéry, Klose und Co. betreten dürfen zu einem Rasen für alle. Ab in den Englischen Garten, der grünen Lunge der Stadt. Wer sich erfrischen will, kann das im – nomen est omen – Eisbach tun oder mit einer Maß Bier im Biergarten am chinesischen Turm. Wer einfach gar nichts tun will, der legt sich ins Gras, etwa unterhalb des Monopteros. Das Nichstun geht übrigens besonders gut in einem Floatarium, von dem erst Ende 2006 eines in der Altstadt im Tal eröffnet hat. Was ein Floatarium ist? Herzstück ist ein Tank, den man nackt betritt und dessen Salzsole einen trotz geringer Wassertiefe regelrecht schweben lässt. Wenn dann noch der Tankdeckel zuklappt und ganz sanftes rotes Licht aufleuchtet, lässt es sich herrlich entspannen. Und ist so fit für den Abend. Stichwort. Per Fahrradrikscha geht es – über einen Zwischenstopp beim vorzüglichen Mexikaner Joe Pena’s – zum Isarbalkon auf der Corneliusbrücke. Etwas erhöht über der Isar erwarten einen hier Liegestühle, aufgeschütteter Sand, relaxte Loungemusik, ein Kicker und Caipirinhas an der Strandbar. Beachgefühle mitten in der Großstadt.
Christian Haas