48 Stunden in Lissabon
Und überall grüßt das Meer
Am Rand Europas ist Lissabon trendy geworden
In den engen Gassen der Altstadt flattern Wäscheleinen, und im einstigen Geschäftsviertel, der Baixa, sind die Straßen wie früher nach Waren aufgeteilt. Lissabon ist einzigartig, und auch heute noch unterscheidet sich die portugiesische Metropole stark von allen anderen europäischen Großstädten. Das schönste: das Meer leuchtet fast durch in jede Gasse, weil die Stadt sich auf Hügeln entlangzieht.
Lissabon: Straßenbahn
Orientierung mit der Straßenbahn
Zur Orientierung - und auch für tolle Schnappschüsse - ist eine Straßenbahnfahrt am ersten Vormittag angesagt. Ähnlich wie die Cable Cars in San Francisco hegt und pflegt man in Lissabon die wenigen verbliebenen historischen Straßenbahnen, "eléctrico" genannt. Das Straßenbahnnetz wurde im Jahr 1901 angelegt, heute bedienen jedoch vor allem U-Bahn und Busse die Masse des öffentlichen Nahverkehrs. Einige auf den Hügeln gelegene Altstadtviertel und die Gegend entlang des Flusses Tejo bis nach Belem kann man von der gemütlich ratternden Straßenbahn aus am besten entdecken. Die beste Sicht bietet die Linie 28. Weil die Gassen der Altstadt sehr eng sind und Parkplätze für Autos Mangelware, gerät eine Fahrt oft zum Manöver mit Millimeterarbeit, während die Gleise in den steilen Gassen an die einer Achterbahn erinnern. Wie die Lisboetas es schaffen, ihre Autos so am Straßenrand zu parken, dass zwischen Auto und vorbeifahrender Tram - bei eingeklapptem Beifahrerspiegel - nicht mehr und nicht weniger als ganze zwei Finger Platz bleiben, bleibt dabei wohl für immer ihr Geheimnis.
365 Arten Stockfisch
Hungrig? Schon zur Mittagszeit sind die Restaurants der Stadt gut gefüllt. Das Mittagessen wird zwischen 13 Uhr und 15 Uhr serviert. In vielen Restaurants kann man mittags ohne weiteres eine halbe Portion des Gerichts bestellen. Essen wie bei Muttern gibt es im Antigo 1° de Mayo, Rua de Atalaia 8. Das Nationalgericht ist der Bacalhau, der Stockfisch, angeblich in 365 Zubereitungsarten erhältlich. Den grätenlosen Seeteufel, "Tamboril", gibt es nicht immer. Wenn er auf der Karte steht: zugreifen! Immer zu haben dagegen sind die "Sardinas", am besten mit Meersalz eingerieben und über Holzkohle gebraten.
Einen Besuch in Lissabon, ohne das nächtliche Treiben in und vor den Bars zu genießen, wäre jammerschade. Traditionelle Tavernen, Tascas, gibt es nicht mehr viele im Ausgehviertel Bairro Alto. Das "Flor de Branca" ist eine davon, bröckeliger Charme mit Badezimmerkacheln, Spiegeln und Plastikblumen bestimmen das Bild (Rua Diário de Notícias 65). Die Preise: äußerst ausgehfreundlich! Einen Carajillo (Mixgetränk aus Kaffee und Rum) bekommt man für einen Euro.
Lissabon: Straßencafé
Geheime Shopping-Adressen
Die besten Shopping-Adressen finden sich in Lissabon, wie in anderen Städten auch, abseits der großen Einkaufsstraßen. Stöbern im Pavilhao Chines, dem chinesischen Pavillon, lohnt sich auch, wenn man gar nichts kauft: halb Museum, halb Billardsalon, ist dieser Laden vollgestopft vom Boden bis zur Decke mit Trödel und Kitsch (Rua Dom Pedro 5, unterhalb des Barrio Alto). Zum Mittagessen ins Paladar (Calcada de do Duque 43a), wo sich die junge Szene bei frisch zubereiteten Gerichten mit südamerikanischem Touch trifft.
Unbedingt probieren: Kaffee auf portugiesische Art!
Nach dem Mittagessen ist eine weitere Lissaboner Institution an der Reihe. Ein kleiner Bummel in Richtung des Elevador de Santa Justa führt zum Café „A Brasiliera“ an der Rua Garrett. Cafés sind in Lissabon Institutionen, die sich keinem Modernisierungszwang unterwerfen. Schließlich importiert man seit Jahrhunderten Kaffee aus Brasilien, wobei sich die portugiesischen Mischungen geschmacklich stark von den bei uns üblichen italienischen Röstungen unterscheiden. Zum Galao, wie sich der kleine Milchcafé nennt, unbedingt probieren: die „natas“, kleine, mit Vanillecreme gefüllte Törtchen. Ein schöner Abschluss des Kurztrips in Lissabon ist ein Flohmarktbesuch. Dienstags und samstags findet auf dem Campo de Santa Clara, hinter der Kirche Sao Vicente, die „Feira da Ladra“ statt, der Markt der Diebin – einst so benannt, weil hier Diebesgut verhökert wurde. Heute ist es ungefährlicher, aber nicht minder interessant.
Dirk Engelhardt