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48 Stunden in Paris

Von oben und unten

Einmalige Blicke über Paris, in quirlige Viertel und in die Katakomben

Die großen Sehenswürdigkeiten der Weltstadt, klar, die will jeder sehen. Doch nur wenige Meter daneben sind oft kleine Juwele zu finden, die allzu leicht im Trubel untergehen. Tauchen Sie ein in die Welt der kleinen Entdeckungen. Bleiben Sie stehen und staunen, setzen Sie sich in Straßencafés und träumen oder reden mit den Franzosen. Die Stadt der Liebe, der Kunst, des Genießens umgarnt Sie augenblicklich. Es sind die Gerüche, die Stimmen, die Musik, die Sie am Montmartre fesselt oder im Viertel Marais betört.

Erstmal einen Überblick

Er sieht hässlich aus, der Tour Montparnasse. Aber das Panoramarestaurant im 56. Stockwerk ist ideal für einen Überblick über die Stadt. Fahren Sie mit einem der schnellsten Aufzüge Europas in 38 Sekunden hinauf und genießen den Weitblick über die Innenstadt. Drei Etagen höher können Sie auch die Freiluftterrasse betreten. Im Sommer ist der einzige Wolkenkratzer im Zentrum von 9.30 bis 23.30 Uhr geöffnet. Informationen unter www.tourmontparnasse56.com

Dann in die Unterwelt

Der Herr der 200.000 Totenköpfe wartet nur wenige U-Bahnstationen entfernt am Place Denfert-Rochereau (täglich von 10 bis 16 Uhr außer dienstags, Eintritt frei). 120 Stufen einer Wendeltreppe führen hinab in die Katakomben von Paris. 1,7 Kilometer lang sind sie. Es ist ein sakraler Ort größter Banalität. Sechs Millionen Menschen wurden hier begraben. Während der deutschen Besatzung nutzte die Résistance den Untergrund als Kommandozentrale. Heute erzählt der Fremdenführer viel über die Bauarbeiten der U-Bahn, der neuen Klimaanlage und Champignonkulturen.

Zu Paul Sartre und anderen

Die Caféhausbeziehung des Schriftstellers Paul Sartre und seiner Geliebten Simone de Beauvoir ist legendär. Die beiden hatten niemals eine gemeinsame Wohnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich die beiden Intellektuellen mit anderen oft im Café de Flore oder der Brasserie Lipp im Viertel Saint-Germain-des-Prés. Wenn Sie jetzt die Katakomben hinter sich haben, liegt der Friedhof Cimetière de Montparnasse Ihnen zu Füßen - und genau dort können Sie die beiden Schriftsteller besuchen. Rechts vom Haupteingang unter einer Grabplatte sind sie im Tode vereint. Falls Sie Friedhöfe mögen: Es lohnt sich, mit dem Buch von Heidi Wiese "Rendezvous mit den Toten" in der Hand, Größen einen Besuch abzustatten und dazu die amüsanten Texte zu lesen. Sie treffen etwa auf dem größten in Paris, dem Père Lachaise, die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1924), Oscar Wilde (1854-1900) oder das Rockidol Jim Morrison (1943-1971). Heinrich Heine oder Adolphe Sax finden Sie auf dem Cimetière de Montmartre. Und da sind Sie schon im Künstlerviertel.

dertour

Paris: Triumphbogen

Zu den Künstlern

Sie sind vielleicht am Gare du Nord aus dem Zug gestiegen. Dann gehen Sie zum Kaufhaus Tati am Boulevard Rochechouart, in dem die einfachen Leute einkaufen. Von der Metrostation Anvers geht es hinauf zur weißen Basilika Sacré Coeur auf dem 130 Meter hohen Hügel namens Butte. Die Funiculaire (Drahtseilbahn) tut es auch. Am Place du Tertre finden Sie die vielen anderen, die jetzt mit Ihnen Paris besuchen. Der Blick über die Stadt von dem Hügel ist super. Wenn Sie 237 Treppenstufen nicht scheuen, dann hinauf auf die Kuppel von Sacré Coeur. Dann gehen Sie aber lieber ins Musée de Montmartre mit seinen historischen Fotografien und Rekonstruktionen oder das Espace Montmartre-Dali, einer höhlenartigen Galerie. Beide sind nicht überlaufen. Irgendwo finden Sie ein Café. Die Preise dort oben sind allerdings deftig. Speisen Sie vielleicht im Relais de la Butte (12, Rue Ravignan) aus dem 17. Jahrhundert. Dort gibt es Käsespezialitäten.

Louvre bis Triumphbogen

Erstmal das weltbekannte Museum, den Louvre anschauen: Nehmen Sie den Eingang am Richelieuflügel. Schon in der Metrostation Louvre den Hinweisen zum unterirdisch gelegenen Carrousel du Louvre nehmen. Oben am Pyramideneingang sind die Warteschlangen meist sehr viel länger. Wenn Sie die Mona Lisa in der Hochsicherheitsnische sehen wollen, brauchen Sie Geduld, denn bis Sie in Sichtweite sind, haben Sie vielleicht nach langem Stehen schon Rückenschmerzen. Danach entspannen Sie sich im Café Marly unter den Arkaden. Zu Fuß geht es mit Ziel zum Triumphbogen erstmal durch den Jardin des Tuileries. Durch das prunkvolle goldene Tor mit den geflügelten Pferden von Coysevox geht es über den Place de la Concorde durch die Jardins des Champs Elysées. Dort spielte der junge Schriftsteller Marcel Proust mit Marie de Bénardaky, einem der Vorbilder für die Gilberte in dem Roman A La Recherche du Temps Perdu. Dann weiter über die Avenue Winston Churchill zu einer Oase aus Felsen und Wasser, dem Jardin de la Vallée Suisse. Über die Rue Jean Goujon zum eleganten Place Francois Ier. In der Avenue Montaigne schlägt heute das Herz der Pariser haute couture. Und das müssen Sie mal gesehen haben. In der Rue Bayar das alte Bistro Chez Savy besuchen. Bis zum Arc de Triomphe auf dem Place Charles de Gaule schlendern Sie über die Champs Elysées und können das alles noch genauer nachlesen im Band „Zu Fuß in Paris“ (Heyne-Verlag).

In den Sumpf zum Feiern

Den Eiffelturm haben Sie inzwischen sicher schon gesehen, sich dort geküsst oder einen Heiratsantrag gemacht/erhalten. Das gilt es jetzt zu feiern. Hier noch eine besondere Empfehlung: das 4. Arrondissement gehört mit seinen Kneipen und Galerien zu den quirligsten Viertel von Paris. Marais heißt der Stadtteil, was eigentlich Sumpf bedeutet. Es gibt herrschaftliche Häuser zu sehen, die wunderbar restauriert sind. Das Viertel zwischen dem Centre Pompidou und der Bastille gilt auch als jüdisches Viertel. Die Rue des Rosiers hat da ein eigenes Flair mit orientalischen Läden und koscheren Metzgereien zu bieten. Links und rechts der Rue Sainte-Croix de la Bretonnerie sind Schwulenbars zu finden. Eine stattliche Zahl von Museen von Picasso über Victor Hugo bis zur europäischen Fotografie findet sich im Marais. Oder nehmen Sie einfach ein Sonnenbad am Place des Vosges.

Knut Diers

 
 

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