Die Pyramide im Meer
Ein Ausflug nach Kloster Mont Saint-Michel
Im Watt vom Golf von St. Malo ragt der Berg von Saint Michel auf. Der französische Dichter Victor Hugo liebte diese Gegend Frankreichs und besuchte im Laufe seines Lebens sowohl den Berg, als auch das darauf befindliche Kloster mehrmals. Das Kloster, ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst, ist wohl die größte Sehenswürdigkeit Frankreichs.
Mont St. Michel
Mächtig und fast unwirklich wirkt der Klosterberg inmitten des Wassers, dass immer rarer wird, da die Flut Jahr für Jahr immer mehr Sand in die Bucht trägt und so zur Versandung beiträgt.
Etwas Geschichte oder doch nur Legende?
Die Anfänge von St. Michel gehen auf das Jahr 709 zurück. Damals befahl (wohl eine Legende) der Erzengel Michel dem Bischof von Avranches, eine Kapelle auf dem Berg "Tombe" zu errichten. Im 10. Jahrhundert gründeten dann Benediktiner ein Kloster auf dem Berg und bauten sogleich eine zweischiffige Kirche darauf. Ein Jahrhundert später entstand daraus eine gewaltige romanische Kathedrale.
Später wurde der Klosterberg weiter ausgebaut und im 14. Jahrhundert befestigt. Während der Französischen Revolution wurde der Berg eingenommen, die noch dort wohnenden Mönche vertrieben und die Anlage als Gefängnis zweckentfremdet. Seit 1966 leben hier aber wieder einige Mönche und das Gefängnis wurde geschlossen.
Und heute?
Der Kreuzgang mit seinen schlanken, fast zerbrechlich wirkenden Säulen und Arkaden aus Cean-Stein scheint zwischen Himmel und Erde zu schweben. Besonders der spätgotische Chor der Kathedrale besticht den Besucher durch eine Leichtigkeit, die angesichts des tonnenschweren Gewichts unwirklich sein muss, aber dies nicht ist. St. Michel hinterlässt bleibende Erinnerungen bei jedem Besucher. Von der Grand´Rue, führt ein großer Treppenaufgang, der Grand Degré, zum Burgtor hinauf. Besonders sehenswert auf der "Insel" ist das gotische Gebäude "La Merveille".
Dieses Gebäude vermittelt einen Eindruck vom Klosterleben der Mönche und ist nach oben hin in Almosensaal, Gästesaal und Speisesaal unterteilt. Auf halber Höhe der Grand´Rue steht auf der linken Seite die Pfarrkirche Pierre aus dem 11. Jahrhundert. Ein Künstler aus Paris simuliert im Archeoscope mit audio-visueller Technik eine Reise durch die Vergangenheit der Abtei.
Diese Präsentation versetzt den Besucher binnen von Sekunden in eine andere, längst vergangen geglaubte Welt und bringt mehr als eine stundenlange Führung, die man aber auch durchaus buchen sollte. Denn erst durch eine Führung kann man diesen Kulturschatz inmitten von Sand und Meer erst richtig verstehen, ja begreifen.
Auch sehenswert: Im Musée Maritime werden das Meer als Lebensraum, der Gezeitenwechsel und die schleichende Versandung der Bucht um St. Michel anschaulich dargestellt. Auch nicht von schlechten Eltern ist das Wachsfigurenmuseum, das Musée Grevin. Hier finden sich Zeitgenossen und alte Persönlichkeiten in Wachs gegossen.
Wer einen drei Kilometer langen Fußmarsch nicht scheut, sollte den Granitkegel La Tombelaine besuchen. Dieses Sehenswürdigkeit liegt nördlich vom Kloster und führt durchs Watt. Wegen der Gezeiten sollten Sie diesen Kurztrip aber nur mit einem erfahrenen Führer machen, denn trotz Versandung birgt das Watt noch viele Gefahren in sich. Dort angekommen, erwarten Sie ein Vogelreservat und eine beeindruckende Aussicht auf das Meer rund auf St. Michel.
Quelle: NWP